DIE TOPSTORIES

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Wer ist eigentlich dieser Tom König?

 

Wenn ich für meine Kolumnen Stellungnahmen bei Pressestellen einhole oder mit Lesern spreche, dann gebe ich meinen echten Namen preis: Ich heiße eigentlich Tom Hillenbrand, bin gelernter Wirtschaftsjournalist und lebe in München.

Vor allem die Pressesprecher kennen mich häufig bereits unter diesem Namen, weil ich zehn Jahre lang für SPIEGEL ONLINE, die Financial Times Deutschland und andere Publikationen über ihrenArbeitgeber berichtet habe. „Ach, Sie sind dieser Tom König!“, ist die übliche Reaktion.

Ich bin es, und ich bin es auch wieder nicht. Beide Toms wohnen am westlichen Münchner Stadtrand und kommen eigentlich aus Hamburg. Beide sind verheiratet. Aber meine richtige Frau heißt nicht Tanja und ich besitze auch keine zwei Kinder namens Toni und Anna.

Tom König ist mir also in manchem ähnlich, aber er ist keine reale Person. Tom König, das sind wir alle. Als wir die Kolumne konzipierten, da war uns schnell klar, dass einem einzelnen Konsumenten irgendwann die Geschichten ausgehen könnten — und dass viele Unternehmen einen Kundenkolumnisten umgehend auf die VIP-Liste setzen würden. So etwas ist Gang und Gäbe; ein großer Konzern, bei dem ich früher nie eine Antwort aus dem Servicecenter erhielt, bearbeitet meine Anfragen nun binnen weniger Stunden — vermutlich kein Zufall.

Deshalb haben wir Kunde König erschaffen. Was ihm widerfährt sind zum Teil meine eigenen Erlebnisse. Das Gros der Geschichten basiert jedoch auf Leserzuschriften. Pro Woche erhalte ich  50 bis 100 E-Mails mit Leidensgeschichten aus der Servicewüste. Jene, die besonders skurril oder interessant klingen, muss der arme Tom König dann noch einmal durchleben.

Alle Geschichten sind im Kern so passiert, keine ist ausgedacht. Vor der Veröffentlichung lasse ich mir vom jeweiligen Einsender die fraglichen Schriftwechsel und die Kundendaten zuschicken und konfrontiere das Unternehmen mit dem Fall. Erst dann entsteht eine neue Kolumne.

Wie lange Tom König noch leiden muss? So lange, wie Sie Geschichten an die E-Mailadresse warteschleife@spiegel.de schicken. Die Liste der veröffentlichungswürdigen Fälle wird immer länger – in meinem Archiv schlummern noch Dutzende. Schlechter Service scheint etwas zu sein, dass niemals ausstirbt.

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